5202

ein Blog über technische Fragen zu Blogger

Über Blog-Systeme - die Zukunft von Blogger

von

Es gibt verschiedene Blog-System - Blogger, Wordpress, Movable Type, Systeme mit Datenbanken, ohne Datenbanken, whatever. Was braucht ihr davon für's 'richtige' bloggen?

Dazu heute ein paar Überlegungen - wie immer ist das meine persönliche [und hoffentlich fundierte Meinung :D] und nicht absolute Wahrheit ... andere mögen das anders sehen.

Was ist Blogger?

Blogger ist nach eigenen Angaben [aus dem Dev-Forum] die neuntgrößte Seite der Welt und der drittgrößte Dienst von Google. Pi mal Daumen benützen wohl um die 400 Millionen Menschen Blogger, inclusive vieler Karteileichen ... beziehungsweise sind die meisten Nutzer derzeit wohl inaktiv :D.

Blogger ist ein kostenloser und werbefreie Dienst von Google und nach meinen Schätzungen bloggen in Deutschland z.Z. so um die 50.000 aktive Nutzer mit Blogger.

Die durchschnittliche Halbwertszeit eines Blogger-Blogs ist kleiner als ein Jahr, d.h. nach weniger als einem Jahr ist die Hälfte aller gestarteter Blogs schon wieder aufgegeben. Das sagt nichts über den individuellen Blog aus, solltet ihr euch aber immer im Hinterkopf behalten ... Erfolg könntet ihr etwa so definieren, dass es euren Blog nach zwei Jahren immer noch gibt!

Blogger hat nach eigenen Angaben rund 35 Mitarbeiter - die Google Werkskantine in Montain View dürfte mehr haben :D - und arbeitet seit Anbeginn der Zeiten defizitär.

Blogger versucht seit 2007 mit dem Adsense-Programm a bisserl Geld zu verdienen - seitdem hat Google nichts neues mehr probiert, um Blogger in die schwarzen Zahlen zu bringen ... vergleicht das einmal mit Youtube und Googles Engagement dort.

Wieviel Gegenwert stellt mir Blogger kostenlos zur Verfügung?

Blogger ist wie gesagt für euch kostenlos - kostet aber natürlich trotzdem etwas.

Ein eigener Blog beim Discount-Hoster würde euch auf etwa €99/Jahr kommen - dabei ist aber das teuerste, nämlich Bandbreite genauso beschränkt, wie die 'Flat'rates bei euren Mobilfunkverträgen.

Richtig 'große' Blogs mit 100k Besucher am Tag brauchen Bandbreite, Bandbreite und nochmals Bandbreite, damit nicht jeder Zugriff endlos lange dauert. Das kostet euch einen schlanken mittleren dreistelligen Betrag im Monat.

Im Extremfall 'schenkt' euch Google also einen Dienst im Wert von mehreren tausend Euro im Jahr.

Warum macht Google das?

Die Alten unter euch werden sich vielleicht noch daran erinnern - Google war nicht immer die fetteste Katze im Block, sondern hat auch mal klein angefangen :D.

Google hat Blogger zu einer Zeit gekauft, als sie auf der Suche nach Nutzer waren - Blogger ist eine Tür, um die Nutzer für weitere Google Dienste zu begeistern und in der Regel klappt das auch ganz gut.

Wer Blogger benützt, legt seine Bilder früher in Picasa ab und heute in Drive, benützt vielleicht sein zugeordnetes GMail-Konto und so weiter. Blogger hat seinen Sinn also im neudeutschen 'Crossmarketing'.

Ach Quatsch - Google will doch nur meine Daten abschnorcheln, oder was?

Nachdem 'Datenschutz' in Deutschland ja inzwischen zum reinen Synonym für Google oder Facebook Bashing geworden ist, meinen ja viele Leute, dass Google seine Dienste wie Blogger benützt, um Nutzerdaten abzugreifen und weiter zu verkaufen. Was ist davon zu halten?

Erstens: Ihr könnt Blogger vollkommen anonym nutzen[es gibt in den AGB's keinen Klarnamen-Zwang !]. Das ist im übrigen der große Unterschied zu WP.

Zweitens: Google hat noch nie irgendwelche Nutzerdaten verkauft - das gesamte Geschäftsmodell von Google beruht sogar darauf, Nutzerdaten nicht aus der Hand zu geben.

Hat Google Blogger noch richtig lieb?

Ein Konzern, der gerade ein selbstfahrendes Auto entwickelt, in den USA groß in das Glasfasernetzwerk-Business einsteigt, ein weltweites Internet über Ballons verwirklichen will, hat möglicherweise keine große Lust mehr, sich mit was vergleichsweise popeligen wie einen Blog-Dienst rumzuschlagen, oder?

Was Google plant weiß niemand und ich kann in dem Punkt auch nur spekulieren. Blogger ist bei Google ganz sicher nicht oben auf der Liste-der-wichtigen-Dinge ... auf der Abschussliste steht Blogger aber auch nicht.

Blogger bekommt nach wie vor wichtige Updates und wird weiter entwickelt. Obwohl Google gerade seine Priorität im Internet ganz klar auf G+ legt, scheint Blogger nicht so 'aufgesogen' zu werden wie Picasa.

Während letzteres in G+ praktisch absorbiert worden ist, beweist Blogger gerade ziemlich Widerstandskraft gegen G+. Eine tiefere Integration in G+ wäre für viele Blogger Nutzer wohl der Tod des Dienstes - und das haben die Google Produktmanagern hoffentlich begriffen.

Im übrigen: Yahoo hat gerade eine Milliarde für Tumblr ausgegeben - bloggen ist also nach wie vor cool.

Wer ist für Blogger Deutschland eigentlich zuständig?

Die zuständige Communitymanagerin für Blogger-Deutschland ist z.Z. Sabine Borsay, Kurzform 'saline'. Wie ihr am G+ Profil beziehungsweise am Blogger G+ Profil seht, sind die Google Jungs und Mädels so richtig begeisterte G+ Nutzer :D

Wo wir dabei sind - wer hat eigentlich das neue Dashboard verbrochen entwickelt?

Ich mag das neue Dashboard nach wie vor nicht - vieles ist dadurch komplizierter, unübersichtlicher und unlogischer geworden. Für mich war das UI-Design für das Blogger-Dashboard ein echter Bruch in der Google Tradition.

Früher hat Google eher auf die Funktion statt auf das Design geschaut - heute ist es umgekehrt. Das neue Dashboard funktioniert eineinhalb Jahre nach dem Start immer noch nicht richtig, etwa der Vorlagen-Designer. Nervig.

Das neue UI Design stammt übrigens von Tina Chen, die auch für verschiedene Blogger Layouts zuständig ist, etwa Awesome.

Hmm ... Entwicklerinen, Produktmanagerinen, Top-Beitragendine ... alles Frauen: Ist Blogger eine weibliche Plattform?

Vermutlich. Auffällig ist bei Blogger, dass außer beim hardcore coden der Dienst inzwischen nur noch von Frauen gemacht wird.

Umgekehrt wird ein Schuh draus - 2/3 der Blogger-Nutzer sind Frauen. Es ist klar, das bloggen eine eher weibliche Tätigkeit [ich weiß, Vorurteile und so weiter :D], aber beim bloggen scheint die Wahl der Blog-Plattform inzwischen tatsächlich duchgegendert zu sein :).

Frauen nutzen überwiegend Blogger, 'echte' Männer dagegen Wordpress.

Als Mann brauche ich also Wordpress, oder?

Das ist Quatsch. Der größte deutsche Blog ist Beispielsweise sowohl ein Blogger Blog, als wird er auch von einem Mann gemacht.

Der Erfolg beim bloggen hängt im übrigen auch nicht von der Blog-Plattform ab. Die größten Blogs der Welt laufen über Blogger. Professionelles bloggen ist auf Blogger genauso möglich wie auf Wordpress.

Nachdem 98 der 100 größten deutschen Blogs von Männern gemacht wird und die Wahl der Blog-Plattform - wie gesagt - vom Gender abhängt, entsteht vielleicht der Eindruck, dass nur Wordpress eine 'richtige', d.h. professionelle Blog-Plattform ist.

Richtig ist: Sowohl Blogger wie Wordpress sind professionelle Dienste und haben ihre Vor.- und Nachteile.

Was sind die Vorteile von Blogger?

Blogger ist einfach, sicher und ihr müsst euch keine Gedanken über euer Backend machen. Wenn ihr einfach nur bloggen wollt, dann startet euren Blog auf Blogger.

Erfolgreiches bloggen hat zu 99% etwas mit dem Inhalt zu tun - wo ihr das tut, ist letztlich egal. Mit Blogger geht es nur in der Regel einfacher und schneller.

Ich mag Wordpress nicht - warum eigentlich?

Das Eingeständnis im Internet, WP doof zu finden, ist in etwa gleichbedeutend, keine Katzenbilder zu mögen, oder :D? Okay - Katzenbilder sind nicht wirklich mein Ding :) und von WP bin ich schon vor langer Zeit weg. Warum eigentlich?

Wordpress ist durch die Bank ein unsicheres System - WP besteht aus Datenbanken und Scriptsprachen und durch seine Architektur ist es angreifbar.

Aus dem Grund gibt es praktisch monatlich Patches für neue entdeckte Lücken ... die die meisten Leute nur nie benützen, weil WP ja ein so 'einfaches' System ist.

WP wird von Leuten genutzt, die meistens wenig Ahnung von dem System dahinter und noch weniger Sicherheitsbewusstsein haben. Ihr könnt WP sicher betreiben - das heißt aber, ihr müsst euch ununterbrochen um die neuesten Lücken, Patches und Plugins kümmern.

Mir wurde das zu nervig. Ich habe Lust zu bloggen und mag mich nicht mit Serversicherheit &. Co. beschäftigen.

Das zweite ist: Aufgrund der 'offenen' Architektur von WP und des eher unbedarften durchschnittlichen Nutzers sind WP-Plugins zum Tummelplatz für irgendwelche halbseidenen Entwickler geworden.

WP und Android sind für die Freunde der gepflegten Maleware wohl die Plattformen der Zukunft - nur bitte ohne mich :D.

Hey, aber alle Welt benütz WP - das muss doch was taugen, oder?

WP hat mal als simple Blog-Plattform gestartet und ist heute zu einer sehr mächtigen CMS geworden. ZEIT online betreibt seine Blog-Dienste etwa auf WP.

Wordpress hat unbestreitbare Stärken, wenn es um große und komplexe Seiten geht, die viel dynamisches scripting brauchen. Wordpress ist ein sehr mächtiges System, ich vergleich das jetzt mal mit 'MS-Word'.

Das Problem bei MS-Word ist, dass es 100.000 Funkionen hat, die ihr nie im Leben benützt ... und die fünf Funktionen, die ihr braucht, müsst ihr euch mühsam zusammensuchen. Word ist also für die meisten Anwendungen überkomplex - mit anderen Diensten kommt ihr meistens schneller an's Ziel.

Warum bloggen Leute also mit WP?

Ich spekuliere jetzt einfach mal.

WP ist erstens für 'echte' Männer interessant, die die volle Kontrolle über ihren Blog haben wollen ['Kontrolle' ist für Männer immer sehr wichtig :D] und zweitens sind zwar 95% der Layout-Vorstellungen sowohl in Blogger wie auch in WP leicht umzusetzen - bei den letzten 5% wird's bei Blogger aber schwer.

Es gibt Layouts, die lassen sich nur in WP oder vergleichbaren System umsetzen. Ob ihr das tatsächlich zum bloggen braucht, ist die andere Frage.

Credo: Der Erfolg eures Blogs liegt im Inhalt, nicht im Design oder der Platform.

Gibt es ander Blogsysteme?

Die Blog-Welt ist nicht dual, sondern bunt :D! Es gibt außer Blogger und WP natürlich noch eine Vielzahl weiterer interessanter Blog-Plattformen, etwa Movable Type oder Serendipity.

Während ersteres auf Perl läuft, ist letzteres ein PHP-System. Wobei das schon wieder die Hauptschwäche dieser Systeme sind - Script Sprache + Datenbanken = mögliche Angriffsziele.

Nur interessehalber: Auf was läuft eigentlich Blogger?

Auf Python. Google setzt das bei vielen Diensten ein, etwa bei Youtube.

Gibt es Alternativen zum bloggen mit Datenbank?

Nachdem es beim bloggen letztlich darum geht, einen Text, Bilder, Video whatever in's Internet zu stellen, hat sich in der Blogospähre eine Bewegung gebildet, die beim bloggen bewusst auf Datenbanken und Script Sprachen verzichtet und auf simple HTML Seiten setzt.

Hmpf ... HTML?

Ja genau, HTML und CSS :). Keep it simpel. Ihr könnt so einen Blog entweder komplett per Hand schreiben, oder es euch a bisserl bequemer machen und einen HTML-Seiten-Generator benützen, veröffentlichen, fertig.

Nachdem es Webspace praktisch überall für lau oder kleines Geld gibt [Amazone Elastic Cloud!], könntet ihr so ein System auch mal just for fun ausprobieren.

Die Zukunft des bloggens

Ich habe keine Ahnung von gar nichts und kann auch nicht in die Zukunft sehen :D, was mir aber immer deutlicher wird, dass diese ganzen 'sozialen' Vernetzung wie Facebook, Google+ & Co. ihre beste Zeit schon wieder hinter sich haben.

Facebook ist ein Teil unserer Realität und jeder benutzt das irgendwie, alles klar! - das ganze ist aber so cool wie ein Faxgerät, sprich lockt niemand mehr hinter dem Ofen vor.

Menschen wollen sich mitteilen und je einfacher und stressfreier das geht, desto eher wird das klappen. Facebook ist genau das Gegenteil von 'einfach' und deswegen suchen Leute wieder Alternativen zum sozialen Dienst.

Was ich auffällig finde, dass bloggen eine ungebrochene Anziehungskraft auf die Kids hat ... auch wenn das ganze dann 'Ich-habe-heute-zwar-nichts-erlebt-aber-poste-jetzt-120 Fotos-von-meiner-Zimmerdecke' endet.

Was ist mit mir?

Um es ehrlich zu sagen, ich war schon mal begeisterterer Google Nutzer als in letzter Zeit. Neue Dienste von Google interessieren mich eigentlich gar nicht mehr, verschiedene 'alte' Dienste versuche ich peu à peu zu ersetzen.

A bisserl ein Augenöffner war für mich das Ende vom Google Reader - Google hat sich bei einem für mich wichtigen Dienst selber überflüssig gemacht. Surprise, surpris - die Alternativen funktionieren besser als bei Google :D.

Blogger halte ich weiterhin für einen wichtigen Dienst und ich glaube auch nicht, dass Google das in nächster Zeit kaputt bekommt - trotzdem halte ich es für wichtig, auch ab und zu mal über den Teller-Rand von Blogger auf andere Systeme zu schauen.

Gerade die Idee hinter einem datenbanklosen Blog finde ich interessant - alles, was das bloggen einfacher macht, hat für mich Charme. Schauen wir mal ....